ico Wettin - Neutz - Lettewitz
Wettin

Die Kirche: Die Kirche ist Ende des 12. Anfang des 13 Jahrhunderts unter den Wettiner Grafen entstanden und wurde dem heiligen Nikolaus geweiht. Der Turm der Kirche hat noch einen romanischen Unterbau, erst in der Renaissancezeit (1589) ist er mit einem letzten Stockwerk, mit Backsteingiebeln und mit einem Dachreiter versehen worden. Er bekam damals auch eine neue 200 Kg schwere Glocke.
Das Kirchenschiff ist in gotischem Stil (1609 bis 1615) erbaut worden. Die Strebepfeiler stehen unregelmäßig, südlich fünf, nördlich vier. Der Altaraufbau stammt aus dem Barock. Einige Holzfiguren, wie die Jungfrau mit dem Kinde, das Kruzifix, sind Holzarbeiten der Renaissance.
Die Evangelische Stadtkirche St. Nikolai ist die größte und älteste Kirche Wettins und erinnert an die vielen Kapellen, die einst das mittelalterliche Stadtbild prägten.
Ein Besonderheit der Kirche sind sogenannte "Schalltöpfe", im oberen Wandbereich eingemauerte Tonkrüge, die wohl die Akustik verbessern sollten.
Eine grundlegende Sanierung von Turm, Dächern und Mauerwerk seit 1990 und die Gründung eines Fördervereins zur Rettung der St.Nikolaikirche 1999 ließ sie aus ihrem Dornrößchenschlaf wieder erwachen; weitere Baumaßnahmen und eine neue Innengestaltung folgten: die Verglasung der Kirchenfenster, eine flexible Bestuhlung. Die St. Nikolaikirche ist dabei nicht nur sakraler Raum für Gottesdienste und Veranstaltungen der Kirchengemeinde und des Pfarrsprengels, sondern steht auch für kulturelle Veranstaltungen wie Ausstellungen, Feiern, Theater und Konzerte offen.
Für weiter Informationen rund um Sankt Nikolai besuchen Sie bitte http://www.nikolaikirche.de.vu

Literatur:
Gustav Schönermark. "Die Kunstdenkmale der Stadt Halle und des Saalkreises." Kunstdenkmalinventare des Landes Sachsen-Anhalt. Bd. 7, Halle 1886/1997.
Schultze-Galera. Wanderungen durch den Saalkreis.Bd. 2. 238/239.



Neutz

Die Kirchen: "Die Kirche in Neutz liegt im Norden des Dorfes am Ausgang, etwas hoch, vermutlich auf alter Opferstätte. Ihre Anlage ist romanisch, etwa um 1200 entstanden, ganz aus Bruchsteinen mit romanischer Fugenbehandlung und Eckquaderung. Das Schiff schließt im Osten mit halbrunder Apsis. Besonders die südliche Eingangstür hat eine sehr sehenswerte romanische Steinornamentik; vier Fische (Symbole), darunter Blattarabesken. Es gibt eine kleine Empore, die an drei Seiten herumführt.
(In der Kirche sind die sieben Holzfiguren eines ehemaligen Altarschreins, jetzt einzeln aufgestellt, etwa ein Fuß hoch. Es ist spätgotische, gute Schnitzarbeit: die Madonna mit dem Kinde, Georg mit dem Drachen, Barbara mit dem Turm, Moritz als Ritter, ein Apostel mit einem Buch, ein Bischof mit einem Kirchenmodell und ein Heiliger ohne Attribut.) jetzt im Amtszimmer des Pfarrhauses Wettin 1696, nachdem die Kirche im Dreißigjährigen Kriege stark gelitten hatte, ist sie restauriert worden, wie die im Knopf des Turmes befindliche Inschrift besagt. Es gibt Malereien des Pfarrers Hundertmark an Apsis und Holzdecke des Schiffes."

Schultze-Galera. Wanderungen durch den Saalkreis. Bd. 2. 60.

Deutleben (gehört zur Gemeinde Neutz)
"Die alte Kirche Deutlebens war dem heiligen Moritz, dem Schutzheiligen des Magdeburger Klosters, geweiht. Sie entstammt wohl schon dem 11. Spätestens dem 12. Jahrhundert, war ursprünglich eine Prälatur, wurde nach der Reformation von dem Magdeburger Domkapitel zur Filiale der Wettiner Kirche gemacht. Heute ist Deutleben Filial von Neutz. Die Kirche liegt ziemlich frei, nördlich von dem Dorf, ist ganz neu in romanisierenden Formen erbaut. Die alte Glocke (0,5 m Durchmesser), in länglicher Form, ohne Inschrift, geht wohl auf romanische Zeit zurück. Man erzählt sich noch heute, dass eine Sau sie aus der Erde gewühlt habe, sie sei also die Glocke eines verwüsteten Dorfes der Umgegend gewesen. Die zweite Glocke (0,80 m Durchmesser) hat am Halse Medaillons, Symbole der Evangelisten und Kruzifixe, stammt etwa aus dem Jahre 1300. Die dritte Glocke (1 m Durchmesser) ist 1708 von Peter Becker in Halle gegossen."

Schultze-Galera. Wanderungen durch den Saalkreis. Bd. 2. 65.



Lettewitz

Die Kirchen: "Die Kirche von Lettewitz ist Filial von Sylbitz. Der Turm entstammt noch der romanischen Zeit, er hat noch ein Grabgewölbe, seine Ecken haben Quaderung. Das Schiff ist jünger, wird viel später angebaut sein, steht in einiger Verzahnung und hat einen geraden Ostschluss. Die drei Glocken der Kirche waren bis vor kurzem diese:
die Kleinste, 13. Jahrhundert,
die Mittlere wurde 1606 in Halle von Lorenz Richter gegossen. Sie hatte die Aufschrift: Mein Name ist Anna Maria.
Die größte Glocke mit 1,05 m Durchmesser wurde von Eckard Krüger in Erfurt gegossen. Er war ein bekannter Glockengießer dieser Zeit. Nur diese Erfurter Glocke ist noch vorhanden, die beiden anderen sind 1912 durch neue ersetzt worden."

Schultze-Galera. Wanderungen durch den Saalkreis. Bd. 2. 69.

Görbitz (gehört zur Gemeinde Lettewitz)
"Die Kirche liegt östlich ganz am Rande des Ortes inmitten des Friedhofes. Das Kirchlein etwa 14 Schritt lang-hat keinen Turm. Die Längsseiten des Schiffes haben zwei bzw. drei rund-spitzbogige Fenster von verschiedener Größe und als einzigen Außenschmuck einen in der Mitte eingemauerten Barockleichenstein, die Schmalseiten haben zwei Anbauten, der Chorabschluss ist gerade.
Der Bau des Gotteshauses ist alt, wohl schon um 1250, vielleicht ist er schon vor der frühgotischen Zeit entstanden. Der Altaraufsatz entstammt dem Barock, die sonst gut gearbeitete Kanzel aus dem Jahre 1692. Die kleinere Glocke (0,54 m Durchmesser) mit verschiedenen Medaillonreliefs von Evangelisten und Wappen ist wie die Gutenberger dem 13. Jahrhundert zuzusprechen. Die andere Glocke (0,63 m Durchmesser) trägt die Inschrift: „1602 goss mich Johann Lorenz Richter in Halle“. Jetzt soll die Glocke ersetzt worden sein."

Schultze-Galera. Wanderungen durch den Saalkreis. Bd. 2. 73.

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